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Sichelschmiede

Werkstatt für Friedensarbeit in der Kyritz-Ruppiner Heide

 

Pressespiegel

Pressemitteilung 30. September 2009

Sichelschmiede trifft Bundeswehr

Gemeinsames Interesse: Die Heide erhalten

Bei einer Begegnung von Mitgliedern und Freunden der Sichelschmiede mit  Standortkomnmandant Hering am Dienstag wurde ein gemeinsames Interesse  am Erhalt der Heide sowie am Schutz der Menschen vor Gefahren durch  militärische Altlasten deutlich. Unterschiede gab es freilich auch: Die Sichelschmiede will den Abzug der Bundeswehr aus der Heide, der Standortkommandant sähe gerne, dass der Platz weiterhin für militärische Übungen zur Verfügung steht. Eine Freigabe der weitgehend unbelasteten "weißen" Zone, wie sie die Sichelschmiede wünscht, wäre laut Hering erst nach einer umfassenden Sondierung der Munitionsbelastung in diesem Bereich und Beräumung der dabei gefundenen Blindgänger möglich. Solche Maßnahmen sind derzeit nicht geplant.

Nicht wie sonst zu Fuß und mit Kompass und Karte, sondern in Fahrzeugen der Bundeswehr unter der Führung von Oberstleutnant Hering waren Hans-Peter und Ulrike Laubenthal von der Sichelschmiede im Anschluss an eine Einführung in der Kommandantur auf dem ehemaligen Bombodrom-Gelände unterwegs. Mit dabei waren sieben Friedensbewegte aus der Region, die der Sichelschmiede nahe stehen, sowie der ehemalige brandenburgische Konversionsbeauftrage Roland Vogt. Zunächst zeigte Hering seinen Gästen eine Stelle im nördlichen Teil des Platzes, wo die Sowjets vor ihrem Abzug Panzerminen vergraben hatten. Dann ging es in hoch belastete Gebiete im Süden des Platzes. Dort beeindruckten die Gruppe nicht nur die Gefahren, sondern auch die Schönheit des Kleinods Kyritz-Ruppiner Heide.

Die Besuchergruppe gewann den Eindruck, dass der Standortkommandant ernsthafte Anstrengungen unternehmen will, um wenigstens in Teilbereichen des Geländes den Aufwuchs von Bäumen und Büschen zu Lasten der Heide zu stoppen. Unverständnis wurde darüber geäußert, dass die Bundeswehr in den 15 Jahren ihrer Anwesenheit auf dem Platz nicht mehr gegen den Rückgang der Heide und für Räumung der Altlasten unternommen hat. "Es ärgert mich kolossal, dass die Bundesregierung die Freigabe von Geldern hierfür an die Möglichkeit zur militärischen Nutzung knüpft", sagte Roland Vogt, der auf Einladung der Sichelschmiede an dem Termin teilnahm. "Es geht schließlich um Leib und Leben von Menschen in ehemaligen Militärregionen. Dafür müssen die erforderlichen Millionenbeträge endlich zur Verfügung gestellt werden."

Im Anschluss an die Tour werteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Führung und das Gespräch mit Oberstleutnant Hering aus. Dabei spielte auch das Faltblatt eine Rolle, das die Bundeswehr demnächst zur Warnung vor Gefahren auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz (TÜP) in Ämtern und touristischen Einrichtungen auslegen lassen will. Hierin erscheint das gesamte Areal des Platzes knallrot wie eine einzige große Gefahrenzone.

Selbst die bereits für den Durchgangsverkehr freigegebene Straße von Schweinrich nach Flecken-Zechlin ist nicht eingezeichnet. Durch die Gesamtdarstellung wird die Sperrriegelfunktion des ehemaligen "Bombodroms" besonders augenfällig. "Gerade weil es wirklich gefährliche Bereiche auf dem Platz gibt", so Ulrich Schnauder aus Zempow, "sollte den hier lebenden Menschen und den Besucherinnen und Besuchern der Region von Seiten der Bundeswehr differenzierter dargestellt werden, wo besondere Gefahren lauern und wo nicht." Eine baldige Freigabe der historischen Verbindungswege, etwa zwischen Gadow und Neu-Glienicke, forderte Rainer Kühn aus Dranse: "Wenn da noch Blindgänger drunter liegen, sollten die schleunigst sondiert und geräumt werden, damit Anwohner und Touristen die Wege endlich wieder nutzen können."