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Sichelschmiede

Werkstatt für Friedensarbeit in der Kyritz-Ruppiner Heide

 

Pressespiegel

Artikel im Ruppiner Anzeiger, 26.08.2009

Alles nicht so schlimm?

Bombodrom: Bundeswehr sprengt Minen / Gegner vermuten PR-Maßnahme

Von Tilman Trebs OSTPRIGNITZ-RUPPIN (mit ddp) - Ein Kommando der Bundeswehr hat gestern mehrere scharfe Anti-Personenminen und Granaten auf dem Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes in der Kyritz-Ruppiner Heide gesprengt. Bombodrpm-Gegner vermuteten dahinter eine reine PR-Maßnahme und Hilflosigkeit.

Die neun mit Flüssigsprengstoff gefüllten Schmetterlingsminen und zwei Panzerabwehrgranaten seien gezielt zur Explosion gebracht worden, teilte ein Sprecher der Bundeswehr mit. An dem Einsatz seien Bundeswehrsoldaten und Feuerwehrmänner beteiligt gewesen.

Die Minen auf dem so genannten Bombodrom sind laut Bundeswehr eine Hinterlassenschaft der sowjetischen Armee, die bis zu ihrem Abzug Anfang der 1990er Jahre das rund 14 000 Hektar große Areal als Übungsplatz genutzt hatte. Die Minen selbst sollen bei einem Manöver im Jahr 1988 verlegt worden sein und seien erst bei einem Rundgang Anfang August zufällig entdeckt worden. Bis dahin hatte der Bereich um die 400 Quadratmeter große Fundstelle als sicher gegolten. In den kommenden Wochen will die Bundeswehr auf einer zwei Hektar großen Fläche nahe der Landesgrenze von Brandenburg zu Mecklenburg-Vorpommern nach weiteren Minen suchen.

Vor dem Hintergrund der Funde warnte ein Bundeswehrsprecher gestern erneut vor dem Betreten des ehemaligen Luft-Boden-Schießplatzes. Es sei "lebensgefährlich, sich in den als Gefahrenzonen ausgewiesenen Bereichen aufzuhalten".

Bombodrom-Gegner wollen allerdings nicht so recht daran glauben, dass die Schmetterlingsminen Anfang des Monats tatsächlich zufällig gefunden worden, "Das riecht sehr nach einer PR-Maßnahme von Thomas Hering (der Standortkommandant, Anm. d. Red), um den Menschen in der Region die Pläne für eine zivile Nutzung zu vergällen", heißt es in einer Mitteilung der Berliner Friedenswerkstatt Sichelschmiede und des früheren Konversionsbeauftragten des Landes Brandenburg, Roland Vogt. Schließlich sei es nicht nachvollziebar, "dass dermaßen gefährliche Minen 17 Jahre lang in einem von unzähligen Jägern, Förstern, Waldarbeitern, Imkern, Pilzesuchern, Wachschützern, Feldjägern und nicht zuletzt großen Rothirschrudeln frequentierten Gebiet gelegen haben und nie etwas passiert ist".

Konversionsexperten und Bombodrom-Gegner forderten bei einem Gesprächskreis am Rande der Freie-Heide-Feierlichkeiten am Sonntag in Schweinrich, dass das Verteidigungsministerium belastbare Informationen darüber heraus gibt, „wo es wirklich gefährlich ist und wo nicht". Dies sei unter anderem im möglichen Fall eines Brandes auf dem Gelände, den die Truppenübungsplatz-Feuerwehr nicht allein löschen kann, nötig. "Da müssen doch die Feuerwehren der umliegenden Gemeinden wissen, wie sie sich bewegen können", meinte Friedrich Huth in der Runde. Huth hat einst unter dem letzten DDR-Verteidigungsminister Reiner Eppelmann (CDU) und im Referat für Konversion des Landes Brandenburg gearbeitet.

Klaus Günther von der Unternehmerinitiative Pro Heide hält es indes für möglich, 6 500 Hektar des Sperrgebietes gleich freizugeben. Die äußere weiße Zone sei nicht stärker munitionsbelastet als jeder beliebige Wald in Brandenburg. Die gefährlichen Bereiche seien bereits gekennzeichnet.

Die Tornower Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann (Linke) bezeichnete die gestrige Sprengung als "hilflose Notlösung. Diese Aktion beweist nur umso deutlicher, dass die 220 Millionen Büro Haushaltsmittel sofort freigegeben werden müssen, damit eine systematische Platzberäumung endlich beginnen kann. Das Geld darf der Region nicht länger vorenthalten werden."