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Sichelschmiede

Werkstatt für Friedensarbeit in der Kyritz-Ruppiner Heide

 

Pressespiegel

Artikel im Rundbrief von X-tausendmal quer, Mai 2007

Vor dem G8: Bombodrom besiedeln!

Erste Bezugsgruppen schon bei der Aktion am 1. Juni

"Jedes Ziel ist ein Zuhause!" - unter diesem Motto rufen X-tausendmal quer und 45 weitere Organisationen dazu auf, am 1. Juni 2007 das Bombodrom in der Kyritz-Ruppiner Heide in einer Aktion Zivilen Ungehorsams zu besiedeln.

Der Hintergrund: Die Regierungschefs, die sich im Juni in Heilgendamm treffen, vertreten acht Staaten, die über 91% der weltweit vorhandenen nuklearen Sprengkraft verfügen und 75% der weltweiten Militärausgaben bestreiten. Wie es in den Verteidigungspolitischen Richtlinien der Bundeswehr so eindrucksvoll beschrieben ist, maßen sich diese Staaten das Recht an, für die Sicherung ihrer wirtschaftlichen Interessen in aller Welt auch mit militärischen Mitteln einzutreten. Eine rücksichtslose Wirtschaftspolitik, die auf Kosten der Armen und zu Lasten der Natur geht, wird mit Gewalt durchgesetzt.

Ein Ort, an dem besonders gut sichtbar wird, was dies in der Praxis bedeutet, ist das Bombodrom in der Kyritz-Ruppiner Heide. Auf diesem ehemaliogen sowjetischen Bombenabwurfplatz soll hier nach dem Willen des Bundesverteidigungsminsteriums ein moderner Luft-Boden-Schießplatz entstehen, wo Bundeswehr, EU- und NATO-Truppen miteinander üben können. Dabei soll es um den Abwurf gelenkter und ungelenkter Bomben aus verschiedenen Höhen (von 30 bis 4700 m) gehen, sowie um das Zusammenwirken von Luftwaffe und Bodentruppen (was für Invasionstruppen und Besatzungsarmeen besonders wichtig ist). Geübt werden soll hier auch eine Technik zum Abwurf von Atombomben. Bisher darf die Bundeswehr das Bombodrom nicht militärisch nutzen, da sich die Bevölkerung der Region erfolgreich dagegen wehrt. Zwanzig Klagen gegen das Nutzungskonzept der Bundeswehr liegen beim Verwaltungsgericht und sollen in diesem Sommer in erster Instanz verhandelt werden. Bis darüber nicht rechtskräftig entscheiden ist, darf die Bundeswehr nicht üben. Der Streit ums Bombodrom ist zum Symbol geworden: Hier wehrt sich eine Region gegen den Vorrang des Militärs gegenüber zivilen Interessen. Die Friedens- und antimilitaristische Bewegung hat hier eine Chance, einen Kampf gegen ein zentrales NATO-Militärprojekt tatsächlich zu gewinnen - und damit ihre Ablehnung der Kriegspolitik in wirksamen Widerstand umzusetzen. Das Bündnis "No War - No G8" wurde im letzten Sommer gegründet mit dem Ziel, im Vorfeld des G8 einen Aktionstag am Bombodrom zu organisieren, um an diesem symbolträchtigen Ort den Widerstand der Friedens - und antimilitaristischen Bewegung sichtbar zu machen.

Besiedelung mit rosa Pyramiden

Was das X für das Wendland ist, das wird jetzt für den antimilitaristischen Widerstand die rosa Pyramide: Die Bundeswehr hat auf dem Bombodrom-Gelände eine hölzerne Pyramide als Zielmarkierung für Bomberpiloten aufgestellt. Nachgebaute Zielpyramiden als Behausungen drücken aus, dass Bomben Orte treffen, an denen Menschen leben. Wer seinen eigenen Lebens - oder Arbeitsbereich mit einer Pyramide kennzeichnet, bringt damit zum Ausdruck: "Wenn irgendwo Bomben fallen, dann treffen sie uns alle." Rosa sollen die Pyramiden sein, weil sich herausgestellt hat, dass rosa das Gegenteil von olivgrün ist: Die unmilitärischeste Farbe überhaupt, Symbol für die Ablehnung von Patriarchat und den verschrobenen Männlichkeits-Idealen der Militärs. Als im Jahr 2002 AktivistInnen einen ehemaligen russischen Kommandoturm rosa strichen und zum "Pink Point Tourismuscenter" erklärten, versuchte die Bundeswehr sofort, die rosa Farbe abzuspritzen - vergeblich. Die Farbe hielt, der "Pink Point" war ein deutlich sichtbares Symbol des Widerstands, bis ihn die Bundeswehr Ende 2005 abreißen ließ. So soll es nun also am 1. Juni eine Besiedelung des Bombodrom-Geländes geben mit rosa Pyramiden als Hütten.

X-tausendmal quer am Bombodrom

Für Menschen aus dem Umfeld von X-tausendmal quer schlagen wir einen Treffpunkt vor, um gemeinsam am Aktionstag am Bombodrom teilzunehmen: Wir treffen uns in einem der Aktionscamps, auf dem Naturcampingplatz "Am Blanschen" in Schweinrich. So können wir unsere gemeinsamen Erfahrungen, z.B. im Durchfließen von Polizeiketten, besonders gut bei dieser Aktion einbringen. Außerdem sehen wir dies als eine prima Gelegenheit, uns schonmal in Bezugsgruppen zusammenzufinden, die dann gemeinsam auch an "Block G8" teilnehmen können. Einen entscheidenden Unterschied gibt es zum Castor: Die Menschen in der Region rund ums Bombodrom haben noch wenig Erfahrung damit, plötzlich auftretende Massen spontan und vegan mit Essen zu versorgen. Deshalb bittet das Bündnis "No War No G8" dringend um Anmeldung bei den Camps.