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Sichelschmiede

Werkstatt für Friedensarbeit in der Kyritz-Ruppiner Heide

 

Pressespiegel

Artikel in FreiRaum April 2007

"Solange wir Tornados haben, müssen sie üben."

Bombodrom besiedeln am 1. Juni

Die Gewaltfreie Aktion Atomwaffen Abschaffen - GAAA ist eine von über 30 Organisationen, die im Vorfeld des G8-Gipfels zu Aktionen Zivilen Ungehorsams am Bombodrom in der Kyritz-Ruppiner Heide aufrufen. Unter dem Motto "Von der Heide bis zum Strand" geht es anschließend in Bussen weiter in Richtung Heiligendamm.

Seit 15 Jahren schon streitet die Bundeswehr vor Gericht darum, das ehemalige sowjetische Bombodrom zwischen Berlin und Hamburg als Luft-Boden-Schießplatz nutzen zu dürfen. Die Bevölkerung der Region wehrt sich gegen diese Pläne mit Protestwanderungen, Petitionen, vielen kreativen Aktionen und auf juristischem Wege. Aber das Bundesverteidigungsministerium besteht auf seinen Plänen: "Wir brauchen den Platz."

Was "den Platz" für die Bundeswehr so attraktiv macht: er ist groß genug, um auch innerhalb des Geländes Flugoperationen durchzuführen und um das Zusammenwirken von Luft- und Bodenstreitkräften zu üben. Durch die Nähe zur Ostsee kann sogar die Marine in die Übungsszenarios einbezogen werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, in allen Höhen zu üben – von 30 bis 4700 m Flughöhe. "Die Bundeswehr wird mit dem derzeit als Jagdbomber genutzten Luftfahrzeugmuster Tornado, zukünftig auch Eurofighter, die verbündeten Streitkräfte mit Luftfahrzeugen der Typen A-10 Mirage und F-16 dort üben", so steht es im Betriebskonzept für den Luft-Boden-Schießplatz. (Die A-10-Bomber sind bekannt für die Verwendung von "DU" –Uranmunition.)

Zur Zeit der Erstellung des Betriebskonzepts im Jahr 2003 ging es noch vor allem darum, mit Tornados den Abwurf ungelenkter Bomben im Tiefflug zu üben. Inzwischen werden die Tornados auf lasergelenkte 1000-kg-Bomben sowie die Abstandswaffe "Taurus" (bis 350 km Reichweite) umgerüstet. Die Eurofighter, die ursprünglich für den Kampf in der Luft gedacht waren, werden jetzt für den Kampf gegen Ziele am Boden "angepasst". Geübt werden müsse aber mit diesen neuen Systemen auch, so Rainer Arnold (SPD) im September 2006 bei einer Konferenz von "Pro Heide" zur Rolle der Bundeswehr.

Für Freiraum-LeserInnen liegt die Frage auf der Hand, ob die Tornados des Jagdbombergeschwaders 33 (stationiert in Büchel) in der Kyritz-Ruppiner Heide auch den Abwurf von Atombomben üben sollen. Der ansonsten recht gut informierte Rainer Arnold, immerhin Mitglied des Verteidigungsausschusses, sagte bei der oben erwähnten Konferenz, über Atomwaffen wisse er nichts. Aufschluss gibt hier allerdings das Betriebskonzept: "Zusätzlich wird das sog. Loft-Verfahren ... geübt werden", ist dort zu lesen. Dieses Verfahren wird zum Abwurf von Atombomben verwendet. Was aus den Atombomben wird, wenn – die Rede war von 2010 - 2015 – die Tornados durch Eurofighter ersetzt werden, blieb angesichts des "Nichtwissens" der Experten unklar – um so klarer dagegen Arnold’s Aussage "Solange wir Tornados haben, müssen sie in den Tornado-Szenarien üben."

Wer sich dem Einüben von Atombombenabwürfen widersetzen möchte, hat am 1. Juni Gelegenheit dazu. Mit nachgebauten Zielpyramiden soll an diesem Tag das Bombodrom-Gelände besiedelt werden, um daran zu erinnern, dass Bomben im Krieg an Orten fallen, wo Menschen leben. Und auch über den Aktionstag hinaus soll die rosa Pyramide an möglichst vielen Orten auftauchen und signalisieren: "Wenn irgendwo Bomben fallen, dann treffen sie uns alle."

Pyramide060806-3k.jpg (22421 Byte)

Infos zum Aktionstag unter www.g8andwar.de, Kontakt für den Aufruf "Jedes Ziel ist ein Zuhause" ist die Sichelschmiede, Dorfstr. 8, 16909 Rossow, 033964-60868, info@sichelschmiede.org, www.sichelschmiede.org.

Ulrike Laubenthal, Sichelschmiede